Ökumenische Hospizgruppe e. V.
Rheinbach . Meckenheim . Swisttal

Zuhören, Kraftquellen finden, Alternativen anbieten - Vom Umgang mit dem Sterbewunsch schwer Erkrankter in der letzten Lebensphase

„Ich will nicht mehr leben“ – „Ich will so nicht mehr weiterleben“ – „Ich kann so nicht mehr leben, ich will niemandem zur Last fallen“ – Äußerungen wie diese hören Begleitende und Behandelnde von schwer erkrankten Menschen nicht selten. Anhand von Beispielen aus seiner langjährigen beruflichen Tätigkeit gab der renommierte Palliativmediziner Prof. Lukas Radbruch im Vorfeld der turnusmäßigen Mitgliederversammlung der Ökumenischen Hospizgruppe e.V. Rheinbach-Meckenheim-Swisttal mögliche Handlungsoptionen.

So nannte er einen alleinlebenden 68-jährigen mit Bauchspeicheldrüsenkrebs, der Suizidgedanken äußerte. „Wenn das Blaulicht vor der Tür steht, dann hole ich meinen Revolver und erschieße mich“, zitierte er den Patienten. Um gleich anzufügen: „Von uns würde ihn keiner ins Krankenhaus schicken, das verspreche ich Ihnen.“ Diese Ansicht habe er auch mit der Hausärztin einer 98-jährigen Patientin geteilt, die nach einem Schlaganfall nicht mehr sehen und nicht mehr hören konnte, und eine tödliche Spritze gewünscht habe. „Die Hausärztin und ich waren ganz klar: wir werden keine Suizidhilfe durchführen“, so Radbruch. „Ärztlich assistierter Suizid gehört nicht zu unseren Aufgaben. Aber, dass wir uns mit Sterbewunsch auseinandersetzen, zuhören und Alternativen suchen. Und den Patienten versichern, dass wir sie nicht alleine lassen.“

Grundsätzlich sei es bei von Patienten geäußertem Sterbewunsch wichtig, in Gesprächen herauszufinden, welche Gründe dahinterstecken. Denn oft seien Lebenskrisen oder psychische Probleme die Auslöser. Statistische Daten belegen laut Radbruch, dass sieben von zehn Patienten, die einen Suizidversuch überleben, keinen weiteren Versuch unternehmen, weil sie den ersten Versuch in einer Lebenskrise unternommen hatten.

Wenn ein Patient zum Beispiel sage, er habe Medikamente gesammelt, die er nehmen werde, wenn er nicht mehr könne, sei die Frage naheliegend: „Und wieso haben Sie es noch nicht gemacht? Was hält Sie am Leben?“ Es gelte, Kraftquellen für den Patienten zu finden, den Fokus auf Ressourcen zu legen, auf Positives und nicht auf Negatives. Und schließlich dem Patienten Alternativen anzubieten mit der klaren Feststellung: Die Palliativmedizin verfügt über eine Reihe von Möglichkeiten, Patienten die letzte Lebensphase zu erleichtern. So könnten Patienten in der letzten Lebensphase in Dauerschlaf versetzt werden, Blutwäsche und Medikamente könnten abgesetzt, Medikamente gegen Schmerzen gegeben und wirkungsvolle Maßnahmen gegen Luftnot eingesetzt werden.

Der eingangs erwähnten Patientin habe die Hausärztin den freiwilligen Verzicht auf Essen und Trinken vorgeschlagen. Das sei eine Option, so der Palliativmediziner Radbruch, über die die Patienten selbst entscheiden dürfen. Er beschrieb, dass der Verzicht auf Nahrung nicht qualvoll sei, denn das Hungergefühl sei bereits am Folgetag verschwunden. Der Verzicht auf Trinken hingegen könne lange dauern bis zum Ende.

Text im März 2026